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Trump: „We have to liberate Gänserndorf“ – ÖVP beruft Krisenrat

Trump will Gänserndorf befreien

GÄNSERNDORF. Man kann lange über Werte reden, aber irgendwann muss man handeln. Und wenn irgendwo in Österreich das meiste Erdöl gefördert wird, dann ist das nicht einfach Geografie, das ist ein internationaler Hilferuf. Deshalb ist es nur konsequent, dass die USA nun endlich tun, was sie immer tun, wenn Freiheit zufällig dort liegt, wo etwas Schwarzes aus dem Boden kommt. Sie befreien Gänserndorf.

Washington spricht von Demokratie, Stabilität und dem Schutz der Bevölkerung vor einer Diktatur. Welche Diktatur genau gemeint ist, wurde nicht näher erklärt, aber man müsse in solchen Fällen flexibel bleiben. Wichtig ist vor allem, dass man klare Prioritäten setzt. Und Prioritäten sind in der Außenpolitik traditionell jene Dinge, die man später “kritische Infrastruktur” nennt, damit es weniger nach “Beute” klingt. Also werden zuerst die Förderanlagen gesichert. Nicht weil man gierig wäre, sondern weil man verantwortungsvoll ist. Öl ist schließlich gefährlich, wenn es in den falschen Händen ist, und “falsche Hände” sind erfahrungsgemäß alle, die nicht gerade einen US-Pressesprecher daneben stehen haben.

Die Befreiung folgt dabei einem bewährten Drehbuch. Zuerst die moralische Einleitung, dann die Sicherheitsargumente, dann die Bilder von entschlossenen Männern in Westen, die sehr nach Ordnung aussehen. Danach kommt ein Satz wie “Wir sind nicht wegen des Öls hier”, der verlässlich genau dann fällt, wenn der erste Konvoi schon Richtung Pumpen rollt. Wer jetzt denkt, das sei zu zynisch, versteht das Prinzip nicht. Zynismus ist nur Realismus mit weniger PR.

Aus Trumps Umfeld heißt es außerdem, man wolle der Region ein „sichtbares Zeichen der Befreiung“ schenken. Der Plan sei bereits sehr konkret, angeblich habe Trump persönlich erklärt: „We want to build a Trump Tower in the Mühlviertel.“ Warum Mühlviertel, wenn es um Gänserndorf geht, fragte niemand, weil das in dieser Logik nur Detailarbeit ist. Wichtig ist die Botschaft: Freiheit braucht Landmarken, am besten goldfarben, sehr hoch und mit einem großen Schriftzug, den man noch vom Nachbarbezirk lesen kann.

In St. Pölten hat Landeshauptfrau Johanna Mikl Leitner bereits einen Krisenrat einberufen. Offiziell, um “die Lage zu evaluieren” und “alle Schritte abzustimmen”. Inoffiziell, um herauszufinden, ob man eine Supermacht diplomatisch daran erinnern kann, dass Niederösterreich zwar Erdöl hat, aber auch Parkraumbewirtschaftung. Es sei, heißt es, eine sensible Situation. Einerseits will niemand eskalieren. Andererseits ist es schwierig, auf eine “Befreiung” zu reagieren, die so überzeugt auftritt, als wäre sie längst beschlossene Sache.

Gänserndorf selbst nimmt das Ganze mit einer Ruhe, die man nur dort hat, wo man schon einmal versucht hat, ohne Termin irgendetwas am Amt zu erledigen. Die Bevölkerung soll erstaunlich unbeeindruckt sein. Man habe schon größere Bedrohungen überstanden, sagt man, etwa Baustellen, Zugausfälle und Diskussionen darüber, ob etwas “gleich” bedeutet oder “irgendwann am Nachmittag”. Wenn die USA also kommen, um Freiheit zu bringen, wird das wahrscheinlich zuerst organisatorisch abgewickelt. Bitte ziehen Sie eine Nummer. Bitte füllen Sie dieses Formular aus. Bitte warten Sie, bis Sie aufgerufen werden. Bitte beachten Sie die Mittagspause. Jede Befreiung hat ihre Abläufe.

Der größte kulturelle Schock dürfte ohnehin auf amerikanischer Seite stattfinden. Nicht wegen der Sprache, sondern wegen des Konzepts, dass man in Österreich zwar freundlich sein kann, aber trotzdem fragt, ob das wirklich so vorgesehen ist. Der Mythos vom schnellen Sieg endet oft an banalen Dingen. Kreisverkehre zum Beispiel. Oder der Erkenntnis, dass “Wir sichern nur kurz die Infrastruktur” hier bedeutet, dass irgendein Anrainer wissen will, wer das genehmigt hat.

Natürlich betont Washington, man habe keinerlei langfristige Absichten. Man wolle nur helfen. Hilfe ist in diesem Kontext ein sehr elastisches Wort. Es passt immer. Es passt über jedes Ölfeld, über jede Pressekonferenz und über jede Landkarte, auf der ein Punkt plötzlich strategisch wirkt. Und Gänserndorf ist ab jetzt strategisch. Nicht, weil es das wollte, sondern weil es leider zu viel von etwas hat, das Weltpolitik in Bewegung setzt.

Die Befreiung ist damit eigentlich keine Frage mehr des Ob, sondern nur des Timings. Erst wird gesichert, dann wird erklärt, dann wird gefeiert. Und wenn irgendwann jemand nachfragt, warum ausgerechnet Gänserndorf, wird die Antwort wie immer lauten. Weil Freiheit manchmal genau dort gebraucht wird, wo Österreich am meisten Erdöl hat.

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