61,7 Millionen Euro 2025: Öffentliche Mittel als Finanzbasis
Mit FPÖ-TV, dem neuen Webradio Austria First und einer starken Social-Media-Präsenz bündelt die Partei ihre Kommunikation zunehmend in eigenen Kanälen. Die Debatte um AUF1 Steuergeld zeigt dabei, wie schwer öffentlich nachvollziehbar ist, wofür Parteien und Parlamentsklubs ihre Mittel konkret einsetzen – und wo politische Kommunikation beginnt, die Kritiker als parteieigenes „Mediennetzwerk“ bezeichnen.
Wie hoch die öffentliche Finanzierung politischer Arbeit in Österreich ist, lässt sich über Förderungen für Parteien und Klubs beziffern. Laut einer APA-Serienanfrage (berichtet vom ORF) flossen 2025 insgesamt 266 Mio. Euro aus Bundes- und Landesmitteln an Parteien und politische Arbeit. Rund ein Viertel davon – 61,7 Mio. Euro – entfiel auf die FPÖ.
Was diese Summen im Detail finanzieren, ist für Außenstehende oft nur ausschnittsweise sichtbar: Klubs und Parteien haben unterschiedliche Geldquellen und Berichtspflichten, gleichzeitig laufen Kommunikation, Personal, Produktion und Kampagnen in der Praxis häufig zusammen.
„FPÖ-Medienhaus“: Radio und Video „unter einem Dach“
Im Jänner 2025 stellte die FPÖ öffentlich ein „Medienhaus“ vor, in dem die eigenen Kanäle gebündelt werden sollen – darunter FPÖ TV, Social-Media-Aktivitäten und weitere Formate. In der Parteidarstellung wird das als professioneller Ausbau der Kommunikationsarbeit beschrieben, inklusive Reichweitenangaben aus der eigenen Sicht.
Seit Jänner 2026 ist zusätzlich das Webradio „Austria First“ on air. Das Magazin profil beschreibt den Sender als eng an FPÖ-Inhalten orientiert und berichtet, dass Inhalte und Personalbezüge stark mit der Partei verknüpft sind; das Impressum verweise auf FPÖ-Strukturen, finanziert werde das aus dem Umfeld des Parlamentsklubs. Medienberichte griffen den Start außerdem rund um Lizenzfragen (Musikrechte) auf – ein Hinweis darauf, wie schnell aus einem Parteikanal ein öffentlich diskutiertes Medienprojekt wird.
Meta-Werbung: Was möglich war – und was seit Oktober 2025 nicht mehr geht
Ein wichtiger Hebel politischer Reichweite war lange bezahlte Werbung auf Meta-Plattformen wie Facebook und Instagram, die über die Werbebibliothek nachvollziehbar war.
Allerdings hat Meta angekündigt, in der EU ab Anfang Oktober 2025 keine politische, wahlbezogene oder gesellschaftspolitische Werbung mehr zuzulassen – als Reaktion auf neue EU-Regeln zur Transparenz und zum Targeting politischer Werbung. Heißt: Geldflüsse in bezahlte politische Meta-Ads sind vor allem für Zeiträume vor Oktober 2025 ein Thema; danach verlagert sich politische Kommunikation auf organische Reichweite, andere Plattformen oder klassische Werbeformen.
AUF1 Steuergeld: Inserate, Transparenz und politische Verantwortung
Besonders heftig diskutiert wird derzeit eine Inseratenkampagne des FPÖ-Parlamentsklubs gegen NGOs. Das Portal Kontrast.at berichtet, der Klub habe seit Mitte November 2025 über 62.000 Euro für Inserate in zehn Medien ausgegeben; die Summen seien über Transparenz-Hinweise/Disclosure-Angaben bei den Werbemitteln nachvollziehbar. Demnach entfielen 19.200 Euro auf AUF1.
Wichtig journalistisch (und fair) ist hier die Trennung zwischen belegbaren Zahlen und Bewertung:
- Belegbare Behauptung (laut Kontrast-Auswertung): Höhe der Inseratenzahlungen und Aufteilung nach Medien.
- Bewertung/Einordnung: Ob damit „ein rechtes Mediennetzwerk gefüttert“ wird, ist eine politische Interpretation, die von Opposition und zivilgesellschaftlichen Akteuren geteilt wird – und von der FPÖ zurückgewiesen werden dürfte.
Dass die Debatte parteipolitisch weitergetragen wird, zeigt auch eine SPÖ-Aussendung, die sich ausdrücklich auf die Kontrast-Analyse bezieht. Beim Thema AUF1 Steuergeld geht es damit nicht nur um einzelne Inserate, sondern auch um Transparenz, Kontrolle und politische Verantwortung.
AUF1 im Verfassungsschutzbericht: Wortlaut und Kontext
Ein zentraler Punkt der Kritik betrifft AUF1. Im Verfassungsschutzbericht 2023 der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) wird AUF1 im Kapitel zur „Neuen Rechten“ wörtlich als „alternatives, rechtsextremistisches Medium“ erwähnt und in einen Kontext mit der Verbreitung rechtsextremistischer Narrative gestellt.
Auch der ORF fasst in einer Recherche zusammen, der Verfassungsschutzbericht 2023 bezeichne AUF1 als „rechtsextremistisches Medium“ und ordne es einer Propaganda-Funktion in diesem Milieu zu.
Damit ist die Bewertung nicht nur eine politische Zuschreibung, sondern in dieser Form quellenbasiert – was in der Inseratendebatte besonders brisant ist: Denn dann geht es nicht bloß um „unbequeme Medien“, sondern um die Frage, ob ein Parlamentsklub Steuergeld in ein Medium steckt, das der Staatsschutz selbst so einordnet.
Wo die Grauzone beginnt: Kontrolle, Zweckbindung, Öffentlichkeit
Die eigentliche Kernfrage reicht über einzelne Kanäle hinaus: Wie transparent ist politische Kommunikation, wenn sie über öffentliche Mittel mitfinanziert wird?
Parteien und Klubs bekommen Geld, um politische Arbeit zu ermöglichen. Gleichzeitig ist Kommunikation heute ein zentraler Teil dieser Arbeit: Pressearbeit, Videoformate, Social Media, Kampagnen – oft mit professionellen Teams und hohen Produktionskosten. (Das gilt nicht nur für eine Partei.)
Wenn Medienprojekte und politische Kampagnen enger zusammenrücken, steigt das Bedürfnis nach Transparenz: Wer bezahlt was? Aus welchem Topf? Mit welchem Ziel? Und wie wird kontrolliert?
Dass diese Fragen nicht nur theoretisch sind, zeigt auch die öffentliche Diskussion rund um die FPÖ-Medienstrategie: APA-Berichte über „eigene Kanäle“ und Bedenken von Expert:innen wurden bereits 2025 aufgegriffen. Die Diskussion über AUF1 Steuergeld zeigt, wie groß der Bedarf an klaren Regeln für Transparenz, Rechenschaft und öffentliche Kontrolle geworden ist.







