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„Heute“-Chefin Dichand in Epstein-Mails

Bild: BKA - Andy Wenzel Eva Dichand Heute-Zeitung Chefin Epstein Files

Mit der jüngsten Veröffentlichung der sogenannten „Epstein Files“ rücken erneut prominente Namen und alte Kontaktnetzwerke in die Öffentlichkeit – auch in Österreich. Die Dokumente enthalten E-Mails aus dem Jahr 2012, die einen Austausch zwischen Eva Dichand, Verlegerin der Gratiszeitung Heute, und dem US-Milliardär Jeffrey Epstein belegen, der später wegen Sexualdelikten verurteilt wurde.

Was die Dokumente enthalten – und was nicht

Laut dem Kurier-Bericht stammt eine der E-Mails von „Dr. Eva Dichand, Editor“; die Signatur weist die Firmendaten samt Adresse des Verlags aus. Der Artikel betont ausdrücklich, dass die veröffentlichten E-Mails „in keiner Weise rechtlich oder moralisch“ mit den Missbrauchsvorwürfen gegen Epstein verbunden seien.

Dem Bericht zufolge enthält die Korrespondenz Einladungen und Reisebezüge: Dichand erwähnt einen Aufenthalt auf Mustique, während zuvor von einer Person aus Epsteins Umfeld eine Einladung auf dessen Privatinsel „Little Saint James“ thematisiert worden sei. Ob ein Besuch tatsächlich stattgefunden hat, geht aus den veröffentlichten E-Mails nicht hervor; Dichand bestreitet ein Treffen.

Der Vermittler: Boris Nikolić und die „Elitenlogik“ des Netzwerks

Eine zentrale Rolle spielt Boris Nikolić, der in den Dokumenten als Verbindungsperson zwischen Dichand und Epstein auftaucht. Der Kurier erwähnt ihn unter anderem als früheren Chefberater der Gates Foundation und als jemanden, den Epstein als Testamentsvollstrecker vorgesehen hatte.

Besonders brisant in Österreich ist eine weitergeleitete Nachricht im Zusammenhang mit dem Wiener Life Ball: Darin beschreibt Nikolić Dichand als „sehr enge Freundin von Mette“ und schreibt, Dichand und ihre Familie würden „etwa 80 % der österreichischen Medien“ besitzen – eine Aussage, die der Kurier selbst als übertrieben einordnet. Mit „Mette“ sei laut Kurier Kronprinzessin Mette-Marit gemeint.

„Kann mich beim besten Willen nicht erinnern“

Dichands Anwalt Michael Rami erklärte, seine Mandantin könne sich „nach bestem Wissen und Gewissen“ nicht an die Korrespondenz erinnern. Er sagte, man habe sich vor etwa 15 Jahren kurz auf einer Kunstmesse getroffen; daraus habe sich ein flüchtiger E-Mail-Kontakt ergeben – mehr nicht. Außerdem habe sie erst Jahre später durch Medienberichte von den Vorwürfen gegen Epstein erfahren.

Ein typisches Muster: Kontakte sammeln, Türen öffnen, Status signalisieren

Unabhängig von der Frage persönlicher Treffen zeigen die E-Mails etwas, das in vielen Epstein-Dokumenten immer wieder auftaucht: der Aufbau eines Netzwerks durch Einladungen, Name-Dropping und soziale Verbindungen. Genau hier warnen Journalist:innen jedoch davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

Ein Bericht von Ö1 weist darauf hin, dass der Datensatz riesig ist und bloßes Auffinden von Namen ohne Kontext schnell zu „billigem Name-Dropping“ führen kann – und damit Fehlinterpretationen und Verschwörungstheorien begünstigt.

Warum das Thema in Österreich besonders sensibel ist

Die Dokumente erscheinen in einer Zeit, in der in Österreich ohnehin intensiv über Medienmacht und politische Netzwerke debattiert wird. Dichand ist nicht nur Verlegerin von Heute, sondern Teil einer der prominentesten Medienfamilien des Landes; ihr Ehemann ist Herausgeber der Kronen Zeitung. Dass in den E-Mails Formulierungen wie „Kontrolle über die Medien“ auftauchen, sorgt deshalb für zusätzliche Aufmerksamkeit – obwohl der Kurier diese Aussagen selbst als überzogen einstuft.

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